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L (Land) Deutschland
J (Jahr) 2008,
Dokumentarfilm,
P (Produktionsfirma)Douglas Wolfsperger Filmprod./ SWR/ arte,
Länge: 86 Minuten, FSK: ab 12; f, Erstaufführung:
Pd (Produzent) Douglas Wolfsperger,
R (Regie) Douglas Wolfsperger,
B (Drehbuch) Douglas Wolfsperger,
K (Kamera) Tanja Trentmann, Inigo Westmeier,
M (Musik) Konstantin Gropper,
S (Schnitt) Bernd Euscher,



Inhalt des Films
"entsorgte Vater"




Filmkritik
"entsorgte Vater"

von unserem Redakteur Michael Ranze

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Der Titel des Dokumentarfilms geht auf eine Polemik zurück, die Matthias Matussek 1997 für den "Spiegel" ("Die vaterlose Gesellschaft") schrieb; darin ging es um Väter, denen verwehrt wird, sich nach der Scheidung um ihre Kinder zu kümmern, sowie um, so die Unterzeile, "feministische Muttermacht und Kinder als Trümpfe im Geschlechterkampf". Douglas Wolfsperger ist selbst betroffen: Nach der Trennung von seiner Freundin verbot ihm ein Berliner Gericht, die gemeinsame Tochter wiederzusehen. Erzählerische Klammer seines Films ist, wenn man so will, Wolfspergers Fahrt nach Karlsruhe. Hier soll er endgültig Abschied von seiner Tochter nehmen. Doch das Treffen platzt, und so nutzt der Regisseur die Gelegenheit, mit anderen Trennungsvätern zu sprechen. Den meisten Raum erhält Franzjörg Krieg. Seit 14 Jahren lebt der 61-jährige Realschullehrer von der Mutter seiner beiden Töchter getrennt, seit zehn Jahren hat er die Älteste nicht mehr getroffen. Er weiß nicht einmal mehr, wie sie aussieht. Aufgrund seiner Erfahrungen hat Krieg in Karlsruhe den Väteraufbruch für Kinder e.V. gegründet. Harald Merker, Jahrgang 1962, wird das Besuchsrecht an seinen beiden Töchtern vorenthalten, Weihnachtpakete für seine Kinder kommen stets ungeöffnet zurück. Bernd Sosna wurde von der Mutter seiner Tochter sogar beschuldigt, das Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Dann ist da noch der 36-jährige Polizist Ralf Bähringer, dessen Ex-Frau gerichtlich zugesprochene Besuchstermine mit seinen kleinen Kindern einfach boykottiert. Als einzige Frau kommt die Violinistin Birgit Laub zu Wort, die den Vater ihrer Tochter in naiver Offenheit als "Erzeuger" bezeichnet. Ein Gegengewicht zum Gesagten bildet sie nicht. Sie bestätigt es nur. Wolfsperger machte durch Dokumentarfilme wie "Bellaria - So lange wir leben" (fd 35675) oder "Der lange Weg ans Licht" (fd 38609) von sich reden. Filme, die sich sensibel und aufmerksam ihrem jeweiligen Gegenstand näherten und dabei ebenso erhellend wie erkenntnisreich waren. "Der entsorgte Vater" hingegen leidet an der persönlichen Betroffenheit des Regisseurs und seiner distanzlosen, einseitigen Herangehensweise. Aus den Einzelschicksalen und privaten Leidensgeschichten lassen sich keine allgemein gültigen Urteile über den Umgang mit geschiedenen Vätern ableiten. Regisseur, Produktion und Verleih wissen um das Dilemma. "Der Film ist subjektiv, weil nur eine Gruppe ihr Anliegen vortragen darf", heißt es im Presseheft, um gleichzeitig die zufällige, nicht repräsentative Auswahl einzugestehen und die geschilderten Fälle als Ausnahme darzustellen. Positive Gegenbeispiele, in denen geschiedene Väter einen normalen Umgang zu ihren Kindern aufbauen, hat Wolfsperger nicht gefunden. So zeigt er, filmisch nicht sehr abwechslungsreich, zumeist traurige Männer, die in leeren Cafes sitzen oder einsam durch Wälder streifen und oft den Tränen nahe sind. Einige Sachverhalte tippt der Regisseur nur an oder denkt sie nicht zu Ende. So stellt einer der Väter die These auf, dass in Deutschland die "Rechtlosigkeit des Vaters politisch gewollt" sei, doch Statements von Familienpolitikern oder Scheidungsrichtern werden nicht eingeholt. Die These steht unwidersprochen im Raum, diskutiert wird sie nicht. Am Schluss stellt Franzjörg Krieg sogar das Vorhaben des Films, "Nähe zur Tochter herzustellen", infrage. Mit einem Mal gerät sogar die Absicht des Regisseurs in Zweifel. Was sein Film erreichen will, bleibt unklar.


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